Sepp aus Japan schreibt:

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2015-07-18 – News vom Sepp aus Japan

Hallo Ossi!
Diese Nachricht erreichte mich heute. Das besonders „Herzerwärmende“ ist, dass die despotisch auftretende US-Besatzungsmacht das Problem seit vielen Jahren kennt, auf die geplante Air-Base auch gut und gern verzichten könnte, wie einige ihrer Exponenten klar gesagt haben, es aber aus Prinzip nicht tut. Unter dem Motto: „Da möcht‘ ja sonst ein jeder kommen“ (sie sagen’s halt auf Englisch…).
Zur gefälligen Kenntnisnahme, mit herzlichen Grüßen

Sepp

 

Masako und ich sind uns einig: Wir sind bei der Petition mit dabei.

(Bin selten irgendwo dabei,  aber das schreit wieder mal zum Himmel)
Irgendwo denk ich die USA sind dort nicht schlecht für ein wenig Balance (Korea, China usw….)
Hab aber natürlich zu wenig Einblick in die Details.

Nicht nur als Sport Ossi und Outdoorcenter Chef bin ich gegen solche Eingriffe in die Natur, noch
dazu an so sensiblen Plätzen wie diesen und sag klar NEIN!

Sucht euch einen anderen Platz. Nicht die letzten Riffe!!!

HG Ossi

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Lieber Ossi,

danke für Deine Stellungnahme.

Dieses Tauziehen zwischen der Präfekturverwaltung von Okinawa, der  Zentralregierung in Tokyo und den Vertretern der amerikanischen Besatzungsmacht in Japan bzw. der US-Regierung dauert schon sehr lange. 

Die USA haben weltweit an die 900 Militärstützpunkte. 10% davon allein in Japan und davon mehr als ein Drittel in Okinawa. Das reicht eigentlich, sollte man annehmen. Doch die strategische Planung hat sich einen weiteren Luftwaffenstützpunkt in den Kopf gesetzt. Justament dort, wo es wunderbare Korallenriffe und eine reiche Unterwasserlandschaft gibt. Natürlich auch ein Touristenparadies. Genau dort, wo auch die Seekühe sind (https://de.m.wikipedia.org/wiki/Dugong ).

Generationen von Gouverneuren haben bereits alles in ihrer Macht Stehende unternommen, um die irrsinnigen Willküraktionen der amerikanischen Besatzer – die sich wegen der Optik offiziell immer „Verbündete“ nennen – einzubremsen. Man hat mit den Kommandanten vor Ort, den Botschaftern, aber auch mehreren US-Präsidenten geredet, sie gebeten und angefleht. Erfolglos. Genau so wie die zahlreichen Petitionen und die von einem Großteil der Bevölkerung mitgetragenen, oft sehr leidenschaftlichen Demonstrationen.

Die japanische Regierung vergibt zwar regelmäßig Trostpflaster in Form finanzieller Zuwendungen (wer die wohl kriegt?) und finanziert „Entwickungsprojekte“, weist aber stets und mit dem Ausdruck tiefsten Bedauerns auf die für Japan (angeblich) existenzwichtige militärische „Partnerschaft“ mit den USA hin. Aus diesem Grund, so fügt man dann immer und mit noch größerem Bedauern hinzu, sei man eben leider gezwungen, die Auflagen des Sicherheitsvertrages getreu zu erfüllen. Da sei eben – noch einmal leider – nichts zu machen.

Die letzte Entgegnung eines Sprechers der US-Regierung und auch eines Pentagonsprechers war hier in den Nachrichten zu sehen. Der Regierungssprecher meinte, die Regierung erwarte die zeitnahe und verabredungsgemäße Umsetzung der Konstruktionspläne; der Pentagonsprecher wies darauf hin, dass die von der Präfekturverwaltung vorgeschlagene Änderung auf eine Änderung der strategischen Richtlinien hinauslaufen würde, „and this is not going to happen!“

Das war’s, und dem Herrn Gouverneur wurde gestattet, sich zurückzuziehen.

Zweifellos kommen die seit Jahren bestehenden Spannungen mit China im Südchinesischen Meer sowie die ständige Invasion hunderter chinesischer Boote, die in japanischen Gewässern (!) bergeweise die in China sehr geschätzten roten Korallen abräumen und dann wieder abhauen, den amerikanischen Militärs durchaus zupass, weil das die japanische Seite mundtot macht. Die Frage: Wer hilft uns sonst gegen China? ist schwer zu beantworten und wird so zum Totschlag-Argument.

Herzliche Grüße

Sepp

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